Streamingtipp: Die beste Serie des Jahres ist bereits verfügbar

HBOmax presents: "Winning Time"

2022 ist nicht mal halb rum und doch steht die beste Serie des Jahres schon fest. Zumindest wenn es nach unserem Redakteuren Michael Hille geht. Obwohl er sich gar nicht für Sport interessiert, kann er von der Basketball-Serie "Winning Time" nicht genug bekommen.

In Deutschland ist Basketball in der öffentlichen Wahrnehmung nur semipräsent. Bei uns regiert König Fußball die Welt. Dennoch lohnt es sich für jeden Serienfan, egal, ob er sich für Sport interessiert oder nicht, bei Sky Ticket und Sky Q in die neue HBO-Serie "Winning Time: Aufstieg der Lakers-Dynastie" reinzusehen. Sie erzählt die wahre Geschichte darüber, wie die Los Angeles Lakers zu einer Großmacht der NBA wurden – oder um es per Fußball-Vergleich auszudrücken: wie der Verein der FC Bayern im US-Basketball wurde.

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Sex und Basketball: Worum geht"s in "Winning Time"?

Basketball als Sozialporträt? Das neue HBO-Drama "Winning Time" ist sensationelle Serienunterhaltung.
Basketball als Sozialporträt? Das neue HBO-Drama "Winning Time" ist sensationelle Serienunterhaltung.

HBO / Sky Deutschland, Montage: CHIP.de

1979: Immobilienunternehmer Jerry Buss (John C. Reilly) ist mitten in seiner Midlife-Crisis: Er lebt längst heimlich auf Pump und verprasst das Geld, das eigentlich seiner Ex-Frau zusteht, für teure Sportwagen, Kosmetik und das Bezirzen junger Damen. In einem Anflug von Größenwahn beschließt er, seiner großen Ballsport-Leidenschaft nachzukommen, denn wie Buss gerne sagt: "Es gibt zwei Dinge, die meinen Glauben an Gott rechtfertigen: Sex und Basketball!" Also kauft er für 68 Millionen Dollar, die er nicht wirklich hat, den maroden Sportverein der Los Angeles Lakers.

Obwohl keiner an ihn glaubt, gelingt ihm der irrsinnige Aufstieg. Die Mannschaft wird zum Spitzenteam und Basketballfranchise – der heute geschätzte Wert der Lakers liegt bei fünfeinhalb Milliarden Dollar. Damals, in den frühen 80ern, mussten sich Buss und seine Spieler jedoch mit ihren fragilen Männeregos herumschlagen: Manager Jerry West (Jason Clarke) leidet an Wutanfällen und Alkoholsucht, aufstrebende Trainer wie Paul Westhead (Jason Segel) und Pat Riley (Adrien Brody) drohen, dem Erfolgsdruck zu erliegen und verzetteln sich in Streitereien mit Buss. Der junge Spitzenathlet Earvin "Magic" Johnson (Quincy Isaiah) feiert seine sportlichen Triumphe in Edelpuffs in Las Vegas (und fängt sich später das HIV-Virus ein) und der erfahrene Basketballer Kareem Abdul-Jabbar (Solomon Hughes) schließt sich den Lakers zwar an, geht aber am Rassismus innerhalb der Branche zusehends kaputt.

Sport als moderne Sklaverei? "Winning Time" ist hoch aktuell

Ein normales Sportler-Aufstiegsdrama à la "Rocky" ist "Winning Time" also keineswegs: Die Serie verhandelt den Zeitgeist der damaligen Ära und geht detailliert auf die Schattenseite des Profisports ein. Koks konsumiert in dieser Serie eigentlich jeder irgendwann mal. Inszeniert hat Serienschöpfer Adam McKay alles zudem stilgerecht in verblassten, stark körnigen Aufnahmen, die bewusst an die VHS-Ästhetik angeknüpft sind. Wer McKay und seine Filme (darunter: "The Big Short", "Vice – Der zweite Mann" und "Don"t Look Up") kennt, wird seinen Stil schnell wieder erkennen: Eingeblendete Grafiken präsentieren irre und reale Fakten, zwischendurch quatscht jede Figur mal in die Kamera und adressiert den staunenden Zuschauer.

Basketball gilt als der "Sport der Afroamerikaner" in den USA, da der überwiegende Teil der Topathleten aus Schwarzen Spielern besteht – und schon damals bestand. McKay traut sich in "Winning Time", die problematischen Dynamiken hinter den Kulissen aufzuzeigen: Nahezu alle Vereine sind im Besitz reicher weißer Männer, die ihre Schwarzen Stars wie Ausstellungsstücke präsentieren. Jerry Buss prägte den Basketballsport wie kein anderer und gilt als Visionär, weil er als erster die Franchise-Möglichkeiten erkannte und vollausschöpfte. Wenn er aber in der Serie seine "Entdeckung" Magic Johnson vor Investoren vorführt, kommt man nicht umhin, Vergleiche zur Sklaverei zu ziehen, in der ebenfalls weiße "Owner" (auf deutsch: "Besitzer) frei über ihre Schwarzen Untertanen verfügen konnten. Die Vergleiche werden von der Serie ausführlich in den Mittelgrund gestellt – und sind heute leider immer noch zutreffend.

Erst 2014 gab es einen großen Rassismus-Skandal um den Milliardär Donald Sterling, der zum damaligen Zeitpunkt das NBA-Team L.A. Clippers "besaß". Man zwang ihn aufgrund seiner rassistischen Äußerungen gar, sein Franchise zu verkaufen. Zwei Milliarden Dollar bekam er also im übertragenen Sinne noch dafür, seine eigenen Spieler rassistisch behandelt zu haben. Keine Frage: Die Empörung über solche Machtdynamiken im Basketball waren eine Triebfeder für Adam McKay und seine Autoren, "Winning Time" zu verwirklichen.

Starbesetzt: "Winning Time" hat sogar Jack Nicholson an Bord – quasi

Dabei ist es aber nicht alles nur ernst und dramatisch: Es macht hingegen ganz große Freude, "Winning Time" zu gucken. Die Sportszenen sind dynamisch und packend inszeniert, die Figuren vielschichtig und dreidimensional gezeichnet – auch wenn einige der negativer dargestellten realen Personen wie Jerry West der Serie Faktenverdrehung vorwerfen. Wer in den 80ern aufgewachsen ist, wird sich über die dafür hyperkorrekte Darstellung damaliger modischer Gepflogenheiten amüsieren: Fette Koteletten, markante Schnauzbärte und schrill gefärbte Klamotten, so weit das Auge reicht.

Und die grandiose Besetzung sorgt in den zehn Episoden à 57 Minuten ebenfalls für Begeisterung, wobei besonders Reilly und Isaiah sich für anstehende Preisverleihungen empfehlen. Sogar der mehrfache Oscarpreisträger Jack Nicholson ist mit dabei – wenn auch nicht er selbst, sondern sein junges Ich, gespielt von Max E. Williams. Nicholson ist Lakers-Fan, verpasste über 40 Jahre lang kein Spiel seiner Lieblingsmannschaft – und wurde als VIP-Gast von Buss gerne prestigeträchtig in den Mittelpunkt gerückt.

Ohne Frage gibt es diese Jahr keine vergleichbare Serie, die so innovativ und gleichzeitig so geistreich wie sympathisch ist. Auch wenn erst Mai ist, kann man "Winning Time" beruhigt schon jetzt in den Serienolymp hieven. Eine zweite Staffel ist auch bereits bestellt – gut so.