Öl, Mehl und Nudeln werden knapp: Experte erklärt, woran das liegt

Öl wird im Supermarkt knapp.
Öl wird im Supermarkt knapp.

dpa

Kein Öl, kein Mehl, kein Senf: Leere Regale bei Discountern und Supermärkten sind seit dem Ukraine-Krieg nichts Ungewöhnliches mehr. Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) erklärt, warum es vielerorts an Öl und Mehl fehlt.

Herr Böttcher, bei vielen Supermärkten und Discountern bekommt man seit Wochen kein Speiseöl mehr, Senf wird knapp, Mehl auch, oft fehlen Nudeln, manchmal Dosen-Tomaten. Werden die Lebensmittel nun nicht nur teurer, sondern auch noch immer knapper?

Böttcher: Ob Lebensmittel knapp sind oder nicht, hängt stark vom jeweiligen Produkt und der Lieferkette ab. Speiseöl beispielsweise ist nicht gleich Speiseöl: Sonnenblumenöl ist knapp, weil die Ukraine als einer der Hauptlieferanten kriegsbedingt ausfällt, also verlagert sich die Nachfrage der Konsumenten. Die Kunden stellen sich um und kaufen andere Öle, zum Beispiel Rapsöl.

Aber das erklärt die leeren Regale noch nicht. Was machen die Leute mit dem vielen Öl?

Böttcher: Medienberichte und Social Media Posts, die Gespräche im Freundeskreis über leere Speiseölregale lassen die Nachfrage in die Höhe schnellen und verstärken diesen Effekt mit jedem weiteren Tag. Die Leute beginnen zu hamstern. Sie stellen sich nun drei oder vier Flaschen Öl in den Schrank, statt eine, obwohl sie es gar nicht benötigen. Statt bei den Herstellern und Supermärkten lagern nun überproportional viele Produkte in verhältnismäßig wenigen der heimischen Küchenschränke.

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Experte erklärt, warum jetzt auch Mehl knapp wird

Auch Mehl wird vielerorts knapp.
Auch Mehl wird vielerorts knapp.

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Das ist irrational. Und Hersteller und Einzelhandel kommen dann mit der Über-Nachfrage nicht zurecht?

Böttcher: Die Lieferkette für Rapsöl kommt dann der drastisch gestiegenen Nachfrage nicht hinterher: Die Herstellung muss hochgefahren werden. Für die Abfüllung benötigt man viel mehr Flaschen und der höhere Transportbedarf kommt noch hinzu.

Okay. Und die erhöhten Energie- und Transportkosten lassen dann wieder die Preise etwa für Mehl, Öl und Nudeln steigen. Bei Öl ist der Zusammenhang auch mit dem Ukraine-Krieg klar, aber warum herrscht jetzt beispielsweise vielerorts Mehl-Mangel?

Böttcher: Beim Mehl läuft es ähnlich wie beim Öl, obwohl es hier gar keinen Mangel an Getreide gibt. Allein die Befürchtung, dass ein Grundnahrungsmittel knapp werden könnte, reicht psychologisch scheinbar aus, um den starken Affekt zum Kaufen und Bevorraten auszulösen. Sogar beim Dinkel-Bio-Mehl stieg plötzlich die Nachfrage sprunghaft an. Und auch beim Mehl rumpelt es dann in der Lieferkette, etwa bei den Papierverpackungen oder dem Transport.

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Supermarkt: Auswahl könnte in Zukunft schwanken

Also nicht nur Glasflaschen sind knapp, sondern alle Verpackungshersteller sind betroffen. Wie lange dauert die Hamster-Phase denn noch an?

Böttcher: Solange, bis es zu einem zweiten Nachfrage-Phänomen kommt: Sobald sich die Konsumenten mit Öl oder Mehl bevorratet haben, sinkt die Nachfrage rapide. Das konnten wir auch beim Toilettenpapier während der Corona-Pandemie beobachten. Hamstern lohnt sich also nicht. Es stört nur den gleichmäßigen Betrieb der Lieferketten.

Müssen die Deutschen jetzt vielleicht auch langfristig lernen, mit dem Mangel zu leben?

Böttcher: Ich glaube, dass der Einzelhandel ein derart breites Angebot hat, dass der kurzfristige Mangel einzelner Produkte gut ausgeglichen werden kann. Supermärkte haben zirka 10.000 Artikel in den Regalen, selbst Discounter mittlerweile mehr als 1000. Man kann zwischen den Marken wählen. Was in Zukunft höchstens passieren kann, dass die Auswahl von Zeit zu Zeit schwankt. Das ist aber kein Grund zum Hamstern.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei FOCUS Online: Die Hamster-Falle: Experte erklärt, was Kauf-Exzesse für die Lieferketten bedeuten