Keine Lebensmittel-Lieferung: Schießt Aldi damit ein Eigentor?

Fahne am Kindereinkaufswagen: Versteckte Funktion

Gorillas, Flink, Getir: Die Auswahl an Lebensmittel-Lieferdiensten in Deutschland wächst. Auch bei Rewe, Edeka und anderen Supermärkten können Kunden online Lebensmittel ordern. Und die Discounter? Aldi und Lidl warten trotz Trend zum Home-Shopping lieber ab. Eine Analyse von Anna Schmid.

Wer Nudeln, Gemüse oder ein neues Deo braucht, muss nicht länger den Weg zum Supermarkt oder Discounter antreten. Über Online-Lieferdienste wie Gorillas oder Flink lassen sich Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs direkt nach Hause bestellen. Ganz einfach, ganz schnell.

Supermärkte wie Rewe oder Kaufland haben das Potenzial des Online-Lebensmittel-Handels längst erkannt. Über eigene Plattformen können sich Kunden Produkte aus den Rewe-Regalen direkt nach Hause ordern, ähnlich wie bei Gorillas, Flink und anderen Diensten.

Discounter wie Aldi oder Lidl dagegen hinken hinterher. Keiner der beiden Konzerne verfügt über einen vergleichbaren Lebensmittel-Lieferservice. Aldi und Lidl haben zwar inzwischen Onlineshops eröffnet. Dort können Kunden aber lediglich Dinge wie Garten- und Haushaltszubehör kaufen, die Lieferzeiten betragen meist mehrere Tage.

Edeka24: Lebensmittel online kaufen und zuschicken lassen

  • Quelle: Edeka24

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Müssen Aldi, Lidl und Co. jetzt Lieferdienste einführen?

Aldi, Lidl und andere Discounter liefern Lebensmittel nicht nach Hause.
Aldi, Lidl und andere Discounter liefern Lebensmittel nicht nach Hause.

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Manche Beobachter stellen sich daher zurecht die Frage: Müssen Discounter stärker in den Online-Lebensmittelhandel investieren? Das "Handelsblatt" forderte Aldi und Lidl bereits im September 2021 auf, sich die neuen, digitalen Lieferdienste zum Vorbild zu nehmen. Für die Zukunft sei man bisher kaum gerüstet.

Aber ist das wirklich so? Müssen Aldi, Lidl und andere Discounter jetzt Lieferdienste einführen, um konkurrenzfähig zu bleiben? Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) findet: nicht unbedingt. "Der Aufbau und Betrieb von Lieferdiensten kostet erst einmal Geld", sagt er im Gespräch mit CHIP. "Selbst seit Jahren etablierte Lieferdienste verdienen kaum oder gar nicht mit diesem Angebot."

Er merkt auch die hohe Dichte an Lebensmittelgeschäften an, die in Deutschland herrscht. Sprich: Wer seinen Wocheneinkauf erledigen will, muss nicht zwangsweise 15 Kilometer weit fahren. Viele Verbraucher haben den nächsten Supermarkt oder Discounter direkt vor der Tür. "Durchschnittlich erreicht man in Deutschland in ca. drei Minuten Fahrzeit mit dem Auto vier Lebensmittelgeschäfte", sagt Böttcher.

Umfrage zeigt: Online-Lebensmitteleinkauf auf dem Vormarsch

Der Mehrheit der Verbraucher ist es laut dem Experten außerdem wichtig, "Lebensmittel vor Ort einzukaufen und, gerade bei frischen Produkten, die Qualität vor dem Kauf selbst in Augenschein nehmen zu können". Wichtiger, als sich Obst, Fleisch und Backwaren bequem nach Hause liefern zu lassen. "Diese Einkaufsgewohnheiten spielen auch für Discountunternehmen eine wichtige Rolle bei der Frage, in Lieferdienste zu investieren", sagt Böttcher.

Das mag zwar stimmen. Von der Hand zu weisen ist die wachsende Popularität des Online-Lebensmitteleinkaufs aber nicht. Eine repräsentativen Umfrage, die der Digitalverband Bitkom 2021 in Auftrag gab, zeigt: 32 Prozent der befragten 16- bis 29-Jährigen bestellten im vergangenen Jahr häufig oder zumindest hin und wieder Essen, Snacks oder Getränke im Netz. Bei den 30- bis 49-Jährigen waren es sogar 36 Prozent.

Aldi, Lidl und andere Händler bieten Verbrauchern diese Option nicht an. Gut möglich also, dass mancher Kunde seinen Einkauf lieber bei Rewe online erledigt, als zum nächsten Discounter aufzubrechen. Zumal viele Lebensmittel-Lieferdienste auch über die Öffnungszeiten normaler Supermärkte und Discounter hinaus zur Verfügung stehen.

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Böttcher: Etablierte Lebensmittelhändler beobachten Lieferdienst-Markt

Völlig außer Acht lassen Aldi, Lidl und Co. diese Tatsache wohl nicht. BVLH-Sprecher Böttcher geht davon aus, dass alle etablierten Lebensmittelhändler in Deutschland den Lieferdienste-Markt beobachten. "Auch die Discounter schauen sich die Entwicklung an, um gegebenenfalls schnell handeln zu können", sagt er.

Im Ausland hat Aldi jedenfalls bereits mit Lebensmittel-Lieferdiensten experimentiert. Wie die "Lebensmittelzeitung" berichtet, testete der Discounter das Konzept 2021 in Spanien und Portugal. Die Hoffnung, der Konzern würde diesen Schritt auch in Deutschland gehen, wurde zwar bitter enttäuscht.

Es gibt aber Indizien dafür, dass Aldi-Süd-Kunden in Deutschland bald die Möglichkeit bekommen, per "Click and Collect" einzukaufen. Heißt: Sie könnten dann zumindest online auswählen, was sie einkaufen wollen und die Waren anschließend in einer Aldi-Süd-Filiale abholen.

Wie es mit Aldi, Lidl und anderen Discountern weitergeht, lässt sich zwar nur schwer voraussagen. Böttcher glaubt aber, dass "Qualität, Nachhaltigkeit, Auswahl und Service auch künftig wichtige Einkaufskriterien bleiben werden". Discounter seien vor allem "für ihre Preiswürdigkeit" bekannt. In Zeiten steigender Lebensmittelpreise könnte ihnen dieses Image zugutekommen, meint der Verbandssprecher.