CHIP-Test: Internet-Anbieter im großen Vergleich

Die besten Festnetz-Provider in Deutschland und in jedem Bundesland

Zu langsames Internet? Geld vom Anbieter zurückfordern

Das deutsche Internet ist schneller geworden – das ist eins der Ergebnisse unseres Tests von Festnetz-Internetanbietern. Welche Provider den größten Anteil daran haben, ob auch Sie davon profitieren und wie Sie speziell in Ihrer Region den besten und den günstigsten Internet-Zugang finden, verrät der Test von elf namhaften Dienstleistern.

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Kaum zu glauben aber das deutsche Internet wird tatsächlich schneller, das zeigt unser diesjähriger Test der Internetprovider. Die durchschnittliche Transferrate bei Downloads steigerte sich im Vergleich zum Vorjahr von rund 147 auf etwa 169 MBit pro Sekunde. Uploads legten prozentual sogar noch mehr zu (um rund 35 Prozent) und liegen jetzt bei knapp über 30 MBit pro Sekunde.

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CHIP-Netztest: Telekom hat mal wieder die Nase vorn

Die beschriebene Temposteigerung löst noch nicht die aktuellen Digitalisierungsprobleme, ist aber immerhin ein gutes Zeichen – auch wenn dieses Zeichen nicht in allen Regionen Deutschlands zu erkennen ist. Der Trend ist jedenfalls stabil. Wir führen unseren Test jetzt im dritten Jahr durch und jedes Mal ist der Tempo-Durchschnitt besser geworden – die Tendenz ist eindeutig. Daneben gibt es eine Konstante: Wie im letzten Jahr räumt die Deutsche Telekom den Gesamtsieg ab, diesmal allerdings mit nur minimalem Vorsprung vor einem dicht gestaffelten Verfolgerfeld.
Die Telekom gewinnt, weil sie ihr Downloadversprechen am besten einhält: Die von uns gemessene Geschwindigkeit kommt der beworbenen noch am nächsten. Im Schnitt erreicht die Telekom bei den Downloads 81 Prozent des Maximalwerts. Auch bei der Angabe zum erwarteten Download liegt die Telekom kaum daneben.

Alles in allem erreicht die Telekom ein sehr gutes Ergebnis – wenn auch nur knapp vor der Konkurrenz.

Bild: Deutsche Telekom/BurdaForward

Download und Upload: Anspruch und Wirklichkeit

Grund zum Klagen haben die Kunden natürlich schon, denn die Anbieter versprechen in ihrer Werbung viel, aber die Realität wirkt oft ernüchternd. Die Ursache für diese verschobene Wahrnehmung: Telekom, Vodafone und Co. werben für ihre Internet-Zugänge mit dem Maximal-Tempo, das die Leitung hergibt. Schöne, runde Zahlen wie 50, 100, 250 MBit/s bis zu 1 GBit/s. Diese Geschwindigkeiten werden unter günstigen Umständen auch tatsächlich erreicht, aber sie stellen kaum die Norm dar.
Selbst die Anbieter können da kaum widersprechen: Nach der Vorgabe der Bundesnetzagentur sind sie dazu verpflichtet, in den Produktinformationsblättern ihrer Tarife neben der maximalen auch die realistisch erwartbare und die minimale Geschwindigkeit anzugeben, die ein Internet-Anschluss erreichen soll. Mit einem prognostizierten Wert von 83,8 MBit/s wie bei 1&1 wirbt man nicht so gerne – doch er liegt näher an der Realität als die angepriesenen 100 MBit/s. Nimmt man alle von uns erfassten Werte, dann sind die gemessenen Downloads im Schnitt um fast 24 Prozent langsamer als die Maximalangaben der Provider. 

Das Netz liefert selten die versprochenen Datenraten. Die Telekom kommt im Test ihren Versprechen und Verpflichten am besten nach.

Neben dem Gesamtsieger Telekom und dem Preistipp Vodafone gibt es noch andere Anbieter, die bislang nur regional operieren und deshalb in der bundesweiten Gesamtkonkurrenz keine so guten Chancen haben. Deshalb haben wir zusätzlich noch den Besten Anbieter und den Preistipp für jedes Bundesland ermittelt. Die finden Sie mit dem Mauszeiger in der Karte oben.
Die Telekom ist in ganz Deutschland tätig und hat die volle Palette an Internet-Zugängen in ihrem Portfolio. Sie reicht vom alten DSL per Kupferkabel, über V-DSL, das seine Daten bis zum Verteiler über Glasfaser sendet, das TV-Kabel und die reinen Glasfaser-Anschlüsse bis in die eigenen vier Wände: Fiber to the Home, kurz FTTH.
Die Deutsche Glasfaser hat sich dagegen ganz auf den Ausbau von FTTH-Anschlüssen spezialisiert. Sie bietet Verträge zwischen 300 MBit/s und 1 GBit/s Downloadrate an. Beim Tempo ist sie im Vorteil: Wir messen für sie einen Download-Durchschnitt von 490 MBit/s und beim Upload 284 MBit/s. Das ist nicht zu toppen und fließt auch in die Gesamtwertung ein. Aber: Nicht viele Kunden können dieses Tempo genießen: Die Deutsche Glasfaser konzentriert sich auf Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, in anderen Bundesländern ist sie kaum vertreten. Kein Wunder, denn der FTTH-Ausbau kostet viel und ist aufwendig.

Highspeed hat seinen Preis – und fordert die passenden technischen Voraussetzungen

Wer einen Anschluss mit 1 GBit/s bei der deutschen Glasfaser bucht, zahlt monatlich 90 Euro und erhält laut unseren Messungen ein Durchschnittstempo von 703 MBit/s. Verträge über das TV-Kabel kommen günstiger und sind in vielen Regionen verfügbar: Vodafone verlangt dafür 50 Euro, bei PŸUR kostet 55 Euro. Ihre Kunden können mit einem Downloadschnitt von knapp über 590 MBit/s rechnen. Nicht so schnell wie über FTTH, aber bezahlbar.
Die Deutsche Glasfaser macht damit alles in allem nicht das günstigste Preisangebot, bringt aber das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im Test. Damit ist dieser Anbieter unser Preistipp – auch wenn nur ein Teil aller Verbraucher, überwiegend in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, in den Genuss dieser attraktiven Angebote kommen können.

Wo immer sie verfügbar ist, bietet Die Deutsche Glasfaser ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis – und sie ist dabei, ihr Basis zu vergrößern.

Bild: Deutsche Glasfaser/BurdaForward

Günstiges Internet: Nicht jeder braucht die volle Power

Nicht jeder Anwender braucht die schnellstmögliche Anbindung ans Internet – und nutzt gern die Möglichkeit, einen nicht so schnellen, aber dafür günstigeren Tarif zu buchen. Soweit es technisch möglich ist, haben die Anbieter Tarife bis 100, 250 MBit im Portfolio. Der Maximalausbau ist dann ein 1 GBit-Tarif.
Von den national agierenden Anbietern hat Vodafone in der Regel das günstigste Angebot im Highspeedbereich. Für Tarife mit 250 MBit/s und 1 GBit/s erhalten Vodafone-Kunden die meisten MBit/s pro Euro. Für Tarife mit 50 MBit/s und 100 MBit/s ist O2 der günstigste nationale Anbieter. Wobei O2 sehr defensive Angaben im Produktinformationsblatt macht.
Bei den Downloads liegt die Angabe der erwarteten Geschwindigkeit weit unter der von uns gemessenen. Im Schnitt erreicht sie 142 Prozent der erwarteten Geschwindigkeit – gar kein Vergleich zu den Uploads mit 234 Prozent. Die niedrige Selbsteinschätzung hilft den Kunden nicht weiter, und wird von uns auch nicht belohnt. Im Idealfall stimmt die Selbsteinschätzung zu 100 Prozent mit den Messungen überein. M-net gelingt das mit 102 Prozent schon sehr gut.
Welcher Anbieter in jedem Bundesland insgesamt gesehen der preisgünstigste Provider ist, zeigt die Deutschlandkarte oben. Daneben vergeben wir einen Preistipp für die bundesweit attraktivsten Angebote in jeder Geschwindigkeitsklasse aus:
  • 100 M/Bit/s: O2
  • 250 MBit/s: Vodafone
  • 1 GBit/s: Vodafone

Mitmachen beim CHIP-Festnetztest 2023

Festnetz-Anschlüsse zu testen ist eine komplexe Aufgabe, die vor allem eines braucht: eine breite Datengrundlage. Die wollen wir für unsere kommenden Netztest 2023 in Zusammenarbeit mit unserem Partner NETCHECK noch weiter ausbauen – und hier kommen Sie ins Spiel:
  • Die Idee ist, Mini-Rechner breit gestreut über alle Anbietergruppen und alle Tarife direkt zu den Anschlüssen der Anwender – also zu Ihnen – zu bringen. Diese Mini-Rechner erfassen das Tempo der Internetverbindung, die Stabilität und auch, wie zuverlässig Datenpakete aus dem Internet bei Ihnen ankommen. Das ist wichtig für Live-Services wie Chats und Videokonferenzen. Alles natürlich nach dem strengen Datenschutz der DSGVO.
  • Wenn Sie teilnehmen möchten, melden Sie sich formlos unter support@thenetcheck.com bei unserem Partner NET CHECK, der die Rechner zur Verfügung stellt. Ihre Mail muss die Eckdaten über den Anschluss enthalten (Anbieter, Verbindung, Anschluss, Tarif). Aus Ihren Meldungen stellen wir eine Gruppe von bis zu 1.000 Teilnehmern zusammen, die das deutsche Netz und seine Anwender repräsentativ abbilden.  Alle Teilnehmer erhalten gratis den Mini-Rechner inklusive aller notwendigen Komponenten und Installationshinweise.
  • Jeder Teilnehmer bekommt außerdem Zugang zu einem Webboard, auf dem er jederzeit selbst prüfen kann, wie gut sein Anschluss ist und welche Daten das Mess-System daraus ermittelt.

Der Mini-PC von NetCheck ermittelt Typ und Leistung der Internetverbindung, das zugehörige Web-Board zeigt dem Anwender transparent die gefundenen Daten an.

Bild: NetCheck

Festnetz-Internet: So haben wir getestet

Wir wollten herausfinden, welcher Anbieter die genauesten Angaben zu seinen Tarifen macht. Die Informationen erreichen uns über speedtest.chip.de. User können dort ihren Internet-Anschluss testen, und wir erhalten im Gegenzug Millionen von Messungen über die Up- und Downloadgeschwindigkeiten ihrer Anschlüsse, die wir mit den Angaben zu Provider und Tarif kombinieren. Voraussetzung ist, dass die User ihren Test direkt über das LAN-Kabel machen. Messungen über das WLAN sortieren wir ebenso aus wie solche, die nicht zu den Angaben des Users passen. In die Wertung sind so über 150.000 Messungen zu Up- und Downloads eingeflossen. Daraus ergeben sich die beiden wichtigsten Wertungskategorien. Download mit 75 Prozent Gewichtung für die Gesamtnote und die Kategorie Upload, die mit einem Anteil von 20 Prozent das Urteil bestimmt. In beide Wertungen geht zum größten Teil die beschriebene Genauigkeit, zu einem kleineren Teil aber auch die tatsächlich gemeldeten Datenraten ein.


Für die Reaktionszeiten haben wir uns einer weiteten Datenquelle bedient. Hier arbeiten wir mit NET CHECK, unserem langjährigen Partner im Mobilfunktest, zusammen. NET CHECK hat Zugriff auf einen riesigen Pool an sogenannten Crowd-sourcing-Daten, die mehrere Millionen Handynutzer freiwillig unter den Vorgaben der DSGVO zur Verfügung stellen. NET CHECK hat fast 175 Millionen Samples zur Latenz des Internet-Anschlusses ausgewertet, und zwar von Handys, die über das WLAN sich mit dem Internet verbunden haben. Die Reaktionszeiten über Funk sind absolut gesehen langsamer, als wenn man per LAN ins Internet geht. Aber wir können aufgrund der riesigen Datenmenge mit großer Genauigkeit zeigen, welche Anbieter in dieser Disziplin besonders gut sind. Die Wertungskategorie Latenz macht 5 Prozent der Gesamtwertung aus.

 

Somit setzt sich die Gesamtnote folgendermaßen zusammen:

 

  • Download: 75 %
  • Upload: 20 %
  • Latenz: 5 %

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